Workflow zur mobilen Fotoverarbeitung am Tablet - Schelagowski | Fotografie

Workflow zur mobilen Fotoverarbeitung am Tablet

Es gibt sicherlich viele unterschiedliche Gründe für eine Fotoverarbeitung am Tablet. Der vielleicht häufigste Grund wird sein, dass man unterwegs fernab vom heimischen Rechner seine Fotos an einem mobilen Gerät bereites (vor)verarbeiten möchte. Vor kurzem habe auch ich mir zu dem Thema Gedanken gemacht, ein wenig recherchiert und überlegt wie für mich eine mobile Fotoverarbeitung am Tablet aussehen könnte. Was dabei herausgekommen ist und wie mein mobiler Workflow aussieht möchte ich im Folgenden erläutern. Vorne weg: der hier beschriebene Workflow umfasst keine Retusche und Nachbearbeitung von Fotos. Wer also dergleichen erwartet, den muss ich leider an dieser Stelle enttäuschen.

Ausgangssituation und Anforderung

Ich bearbeite meine Fotos zu Hause in Lightroom am Rechner. Nach dem Importieren neuer Fotos sichte, bewerte und verschlagworte ich diese, bevor ich mich an die Entwicklung und eine Nachbearbeitung begebe. Meistens bleiben die Fotos nach der ersten Sichtung und Bewertung sogar eine Zeit liegen, bis ich sie weiter verarbeite.

Wenn ich bisher unterwegs war, nahm ich hin und wieder den Laptop mit, um die Fotos bereits unterwegs vorzusortieren und grob bewerten zu können. Dabei arbeitete mit einem separaten Lightroom Katalog. Zu Hause musste ich die Fotos dann in Lightroom reimportieren, denn daheim liegen sie auf einem NAS. Daher brachte mir der Laptop bisher diesbezüglich keinen Mehrnutzen. Bei der Arbeit mit einem Tablet würde dieser Schritt ebenfalls erforderlich sein, jedoch bringt ein Tablet den klaren Vorteil beim Gewicht und Platzverbrauch: Ich kann es problemlos in meinem Fotorucksack unterbringen und muss nicht auf eine zweite bzw. größere Tasche ausweichen.

Die Lösung

Die hauseigene Lösung von Adobe mittels Creative Cloud kam für mich nicht in Frage, auch wenn es sicherlich eine elegante Lösung ist, da ich kein Freund von Abo-Software bin. Nach einer Recherche bin ich letztendlich auf Photosmith für's iPad gestoßen, eine App, die genau das leistet was ich gesucht habe:

  • Importieren von Fotos von einer SD-Karte
  • Synchronisation mit Lightroom
  • Unterstützung des RAW Formats
  • Verschlagwortung, Markierung und Bewertung von Fotos

Beim Preis von 4,99€ habe ich zwar kurz überlegt, da ich aber keine Alternative bis dato gefunden habe, kaufte und installierte ich die App. Für die Zusammenarbeit mit Lightroom ist zusätzlich das kostenlose Photosmith Lightroom Plugin erforderlich. Die Installation und Konfiguration hiervon ist einfach und selbsterklärend: Es wird jeweils in Photosmith und Lightroom eine Sammlung erstellt, die später synchronisiert werden. In den Plugin-Einstellungen kann man des Weiteren anwählen, dass die in Lightroom vorhandenen Schlagwörter Photosmith zur Verfügung gerstellten werden. Um diese von Beginn an unterwegs nutzen zu können, empfiehlt es sich vorab eine Synchronisation durchzuführen und so die Schlagwörter an Photosmith zu übertragen.

Was leider nicht funktioniert ist der direkte Fotoimport von der Kamera zu Photosmith. Die App erkennt leider nur WLAN von EyeFi SD-Karten. Das WLAN welches meine D750 selber errichten kann, wird nicht erkannt. Daher kommt ein Lightning SD-Kartenleser zum Einsatz.

Aufbau des mobilen Workflows

Mein mobiler Workflow sieht nun wie folgt aus:

  • Zunächst importiere ich die Fotos von der SD-Karte in die iOS eigene Foto-App. Die Fotos auf der SD-Karte werden dabei nicht gelöscht.
  • Die neuen Fotos importiere ich nun aus der Foto-App in Photosmith. Hierbei wähle ich die Importvariante "Link", d.h. die Originalfotos bleiben in der Foto-App gespeichert und Photosmith indiziert diese nur. Das spart zum einem Zeit beim zweiten Importvorgang, zu anderen Speicherplatz auf dem Tablet.
  • Nun sichte, markiere und verschlagworte ich die Fotos.
  • Am Rechner: statt nun die Synchronisierung von Photosmith und Lightroom direkt zu starten, importiere ich zunächst die Fotos von der SD-Karte in Lightroom. Warum? Nun, das geht schneller als diese per WLAN vom Tablet während der Synchronisierung zu übertragen.
  • Die in Lightroom importierten Fotos werden anschließend der zuvor angelegten Synchronisierungssammlung hinzugefügt und erst danach starte ich den eigentlichen Synchronisationsvorgang. Photosmith erkennt dass die Fotos bereits am Zielort vorhanden sind und synchronisiert nur noch die Metadaten, sprich die Schlagwörter, Markierungen, etc.
  • Wenn ich der Meinung bin, dass ich diese Fotos am Tablet nicht weiter verarbeiten werde, lösche ich diese aus Photosmith und zuletzt auch aus der Foto-App.

Erste Praxiserfahrung

Nach meinem letzen Kurztrip nach Garmisch-Partenkirchen habe ich während der Zugfahrt mit dem Sichten und Verschlagworten der Fotos angefangen. Der Import auf das Tablet von 325 dauerte ca. 12 Minuten (RAW Format, ca. 28MB pro Foto). Zu Hause angekommen musste ich leider feststellen, dass 2 Fotos nicht importiert wurden und daher auch in Photosmith nicht vorhanden waren. Daher schlug der erste Synchronisierungsvorgang mit Lightroom fehl. Ich habe daraufhin diese 2 Fotos aus der Synchronisierungssammlung in Lightroom entfernt und den Vorgang neu gestartet. Nun lief es einwandfrei ab. Das Synchronisieren der Metadaten dauerte paar Minuten und ich konnte mit meinen Workflow der Fotoverarbeitung in Lightroom fortfahren.

[UPDATE 13.03.2017] Vor kurzem musste ich leider feststellen, dass die Fotos aus der iPad Foto-App nicht mehr korrekt in Photosmith importiert werden können, weder als Link noch als Kopie. Da die Entwicklung der App leider eingestellt wurde, hoffe ich, dass ein zukünftiges Software-Update für die Kamera und/oder iOS das Problem wieder behebt. [/UPDATE]

Kategorien: Fotobearbeitung, Lightroom

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